Abstract
Die Städte Lateinamerikas haben in den letzten
Dekaden ein neues Gesicht bekommen. Darin
stechen die ungewohnten Mauern und Zäune,
mit denen Straßen abgesperrt werden und hinter
denen sich kleinere oder größere Wohnkomplexe
verbergen, in besonderer Weise hervor. Manche
Autoren halten diese abgeriegelten Bezirke für
eine Kopie nordamerikanischer gated communities,
andere bewerten die neuen Mauern als Rückfall in
das Mittelalter.
Diesen Auffassungen muss entgegengehalten werden,
dass die Tendenz zur Abschottung in lateinamerikanischen Städten eine lange Tradition hat. Bereits
die frühen Patio-Häuser bedeuteten eine radikale
Zäsur zum öffentlichen Raum, dem sie sich nur mit
einer geschlossenen Mauer und nur wenigen kleinen
Gebäudeöffnungen zeigten. Andere Beispiele verdeutlichen, dass auch in der traditionellen Stadt ganze
Wohnkomplexe abgeriegelt wurden, so etwa auch die
Gängeviertel vom conventillo-Typ, die bis in die 1950er
Jahre angelegt wurden.
Die lateinamerikanischen barrios cerrados haben
demnach durchaus auch autochthone Wurzeln, wenngleich die ökonomische Transformation und Globalisierung weitere wichtige Ursachen für das Aufkommen dieser neuen Wohn- und Lebensform darstellen.
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ID:
226060
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